Mit gerade einmal 18 Jahren verbindet Lenny den Spitzensport im Mountainbike mit einer kaufmännischen Ausbildung am OYM College und einem Praktikum beim Amt für Migration des Kantons Zug. Nach drei anspruchsvollen Rennwochenenden – darunter zwei UCI-Weltcups und einem starken Top-10-Ergebnis in Davos – hat er sich mit Welcome Cycles zusammengesetzt, um auf diese unvergesslichen Wochen zurückzublicken, über die wichtigsten Erkenntnisse zu sprechen und einen Ausblick auf den Rest der Saison zu geben.
Wer ist Lenny?
Ich bin 18 Jahre alt und komme aus Unterägeri im Kanton Zug. Neben meiner Karriere als Mountainbike-Rennfahrer absolviere ich derzeit eine kaufmännische Ausbildung am OYM College, inklusive eines Praktikums beim Amt für Migration des Kantons Zug.
Schule, Arbeit und Rennsport unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach, aber genau das macht mir Freude. Ich arbeite gerne strukturiert, setze mir klare Ziele und gebe in allem, was ich tue, mein Bestes.
Ich bin in einer sehr sportbegeisterten Familie aufgewachsen. Abseits der Rennen verbringe ich meine Freizeit gerne mit Freunden in den Bergen oder am See.
Wie würde dich dein bester Freund beschreiben?
Wahrscheinlich als positiv, loyal und ehrgeizig – aber auch als jemanden, der sich ehrlich über die Erfolge anderer freut und gerne für eine gute Stimmung sorgt. Vor allem möchte ich jemand sein, auf den man sich jederzeit verlassen kann.
Du hast gerade drei intensive Rennwochenenden hinter dir – die UCI-Weltcups in Leogang und Lenzerheide sowie zuletzt Davos. Wie fühlst du dich nach dieser intensiven Phase?
Im Moment fühle ich mich richtig gut. Vor Leogang habe ich etwas mehr als zwei Wochen im Höhentraining verbracht, was mir eine sehr gute Grundlage für diesen Rennblock gegeben hat.
Nach Leogang habe ich mir leider eine leichte Erkältung eingefangen, weshalb ich in Lenzerheide nicht ganz bei 100 Prozent war. Zum Glück habe ich mich schnell erholt und fühlte mich in Davos bereits wieder richtig stark.
Aktuell bin ich erneut im Höhentraining in Andermatt und bereite mich auf die Schweizer Meisterschaften vor. Ich fühle mich auf dem Bike sehr gut. Seit Davos konnte ich bereits viele qualitativ hochwertige Trainingseinheiten absolvieren und bin körperlich genau dort, wo ich sein möchte.
Beginnen wir mit Leogang. Wie viele Tage warst du vor dem Rennen dort und wie verlief deine Vorbereitung?
Ich bin vier Tage vor dem Rennen angereist. Es war mein erster Start in Leogang, deshalb wollte ich genügend Zeit haben, um die Strecke kennenzulernen und mich an die Atmosphäre eines Weltcups zu gewöhnen.
Ich konnte zwei Trainingseinheiten absolvieren – beide bei starkem Regen. Ehrlich gesagt haben mir diese Bedingungen sogar gefallen. Ich fahre sehr gerne im Schlamm und habe mich sofort wohlgefühlt.
Die grösste Herausforderung war nicht das Fahren selbst, sondern die richtige Reifenwahl, weil sich das Wetter ständig verändert hat. Zum Glück haben wir die richtige Entscheidung getroffen.
Leogang gilt als eine der anspruchsvollsten Strecken im Weltcup-Kalender. Wie blickst du auf deinen ersten Weltcup zurück?
Es war ein unglaublich hartes Rennen. Die Anstiege waren lang und steil, und durch den Regen wurden die Abfahrten extrem technisch.
Mein Hauptziel war es, das Erlebnis zu geniessen und alles zu geben.
Vielleicht war ich am Anfang etwas zu motiviert. Ich bin von Startplatz 91 ins Rennen gegangen und hatte mich bereits nach zwei Runden auf etwa Rang 45 vorgearbeitet. Rückblickend habe ich diesen Kraftaufwand später wahrscheinlich etwas bezahlt.
Wie viele andere Fahrer hatte auch ich wegen des vielen Schlamms Probleme mit der Kette, was die letzten Runden zusätzlich erschwerte.
Trotzdem bin ich sehr zufrieden, dass ich nach einem Start fast ganz hinten noch Rang 54 erreichen konnte. Ich habe unglaublich viel gelernt – nicht nur über das Rennfahren auf Weltcup-Niveau, sondern auch darüber, wie ein solch grosses Event abläuft.
Kommen wir zu Lenzerheide. Bist du nach Leogang mit mehr Selbstvertrauen angereist?
Leider nicht. Nach Leogang wurde ich krank und wusste zunächst gar nicht, ob ich überhaupt starten könnte. Die Vorbereitung war also alles andere als ideal.
Gleichzeitig bedeutet mir Lenzerheide sehr viel. Als Kind habe ich dort jedes Jahr meinen Rennidolen zugeschaut. Selbst einmal an dieser Startlinie zu stehen, war ein Kindheitstraum.
Entlang der Strecke so viele bekannte Gesichter zu sehen, die mich anfeuerten, hat mir unglaublich viel Energie gegeben und mich während des gesamten Rennens motiviert.
Am Renntag war die Erkältung grösstenteils überstanden. Trotzdem war es wegen der Hitze und des Staubs ein schwieriges Rennen. Ich habe mein Tempo gut eingeteilt und mich von Rang 91 auf Rang 53 nach vorne gearbeitet. Unter diesen Umständen bin ich mit dieser Leistung sehr zufrieden.
Letztes Wochenende bist du in Davos in die Top Ten gefahren. Wie hat sich dieses Rennen im Vergleich zu den beiden Weltcups angefühlt?
Nach Lenzerheide hatte ich endlich eine ganze Woche Zeit, mich zu Hause vollständig zu erholen. Dadurch fühlte ich mich deutlich frischer.
Die Strecke war mit über 1'000 Höhenmetern sehr anspruchsvoll, und die hohen Temperaturen machten das Rennen zusätzlich schwierig.
Meine erste Runde verlief nicht ideal und ich lag weiter hinten als geplant. Danach fand ich jedoch einen sehr guten Rhythmus, konnte kontinuierlich Fahrer überholen und schliesslich den siebten Platz erreichen.
Dieses Resultat hat mir viel Selbstvertrauen gegeben und bestätigt, dass sich meine Form in die richtige Richtung entwickelt.
Drei Rennwochenenden hintereinander sind körperlich und mental eine grosse Herausforderung. Wie bist du mit dieser Belastung umgegangen?
Abgesehen von der Erkältung nach Leogang hat sich mein Körper zwischen den Rennen sehr gut erholt.
Mental fiel es mir nicht besonders schwer, weil jedes Rennen eine grosse Chance war. Ich liebe es einfach, Mountainbike zu fahren und Rennen zu bestreiten. Deshalb fällt es mir leicht, motiviert zu bleiben.
Die grösste Herausforderung war definitiv die Krankheit vor Lenzerheide. Gleichzeitig habe ich gerade dadurch sehr viel gelernt.
Eine deiner grössten Herausforderungen in dieser Saison ist dein Startplatz weit hinten im Feld. Wie stark beeinflusst das deine Rennen?
Das hat einen enormen Einfluss.
Wenn ich von ganz hinten starte, muss ich zuerst sehr viel Energie investieren, um überhaupt zu den Fahrern aufzuschliessen, mit denen ich eigentlich konkurrieren kann. Bis ich das Mittelfeld erreiche – dort sehe ich mich momentan ungefähr – habe ich bereits sehr viel Kraft verbraucht. Dadurch wird es deutlich schwieriger, sich weiter nach vorne zu arbeiten.
Natürlich ist es wichtig, meine Startposition zu verbessern. Trotzdem ist es mir wichtiger, bei den entscheidenden Rennen in Bestform zu sein, als die ganze Saison ausschliesslich UCI-Punkte zu sammeln und dafür Kompromisse im Training einzugehen.
Apropos UCI-Punkte – hast du dir für diese Saison ein konkretes Ranking-Ziel gesetzt?
Eigentlich nicht.
Mein Fokus liegt darauf, mein komplettes Rennprogramm zu absolvieren, in jedem Rennen mein Bestes zu geben und dabei möglichst viele UCI-Punkte zu sammeln.
Was sind deine grössten Ziele für den Rest der Saison?
Die Schweizer Meisterschaften in Leysin gehören definitiv zu meinen wichtigsten Saisonzielen. Deshalb absolviere ich aktuell mein Höhentraining in Andermatt.
Ein weiteres grosses Ziel ist der UCI-Weltcup in Les Gets Ende August.
Es ist meine erste Saison in der U23-Kategorie. Deshalb steht für mich vor allem die persönliche Entwicklung im Vordergrund: Erfahrungen sammeln, als Fahrer besser werden und ohne unnötigen Resultatdruck weiter lernen.
Ausserdem habe ich im Hochsommer etwas weniger Rennen. Das gibt mir die Möglichkeit, gezielt zu trainieren und eine starke Grundlage für die Zukunft aufzubauen.
Zum Schluss: Wo bist du gerade, wie fühlst du dich und mit welchen Erwartungen blickst du auf die kommenden Wochen?
Im Moment trainiere ich in Andermatt im Höhentraining und bereite mich auf die Schweizer Meisterschaften vor.
Ich fühle mich sehr gut, mache jeden Tag Fortschritte und geniesse den gesamten Prozess.
Mein Ziel ist ganz einfach: in bestmöglicher Form an den Start gehen, alles geben, das Rennen geniessen und herausfinden, wozu ich mich im Vergleich mit den besten Fahrern bereits imstande sehe.